Ein Herbst in New York I 2. Kapitel
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ᐅ Ein Herbst in New York I 2. Kapitel

Ein Herbst in New York I 2. Kapitel

Hier das zweite Kapitel meiner Geschichte. Hinterlasst mir doch bitte einen Kommentar, wie euch die Story gefällt! :)


2. Kapitel

Das Café BRKLYN ist seit dem ersten Tag mein Lieblingsort in ganz New York, abgesehen vom Central Park. Ich war nach einem anstrengenden ersten Arbeitstag, der mich zugegebenermaßen vollkommen überfordert hatte, durch die Straßen gelaufen, in der Hoffnung, irgendeinen Ort zu finden, in den ich mich hineinflüchten und ein bisschen ausruhen konnte. Da hatte ich in einer kleinen Seitenstraße plötzlich das leuchtende Schild gesehen.

Ohne lange zu überlegen, war ich in das Café marschiert, als hätte mich irgendetwas magisch dorthin gezogen. Wahrscheinlich war es der Geruch nach frischem Kaffee und die großen Fensterscheiben, die einem erlaubten, im Vorbeigehen einen Blick in das gemütliche Innere zu werfen.

Ich drücke die alte Holztür auf und trete in das warme Innere des Cafés. Es ist nicht besonders voll, was an der eher ungewöhnlichen Zeit liegen mag. Zielstrebig steuere ich auf den Tisch in der Ecke zu, an dem ich bisher jedes Mal gesessen habe und stelle meine Tasche auf der Bank neben mir ab. Dann ziehe ich meinen Laptop heraus und schalte ihn ein. Ich habe ihn, wie bei all den anderen Malen zuvor, einfach mal mitgenommen. Sicherheitshalber, so zu sagen. Dabei hätte ich nicht ernsthaft angenommen, mich heute wirklich ans Schreiben zu begeben. Jetzt bin ich jedoch froh darüber, ihn mit mir mitgeschleppt zu haben.

Ich habe nicht einmal eine genaue Idee für meine Geschichte, das einzige, was ich schon weiß ist der Ort, an dem sie spielen soll: New York natürlich, wo sonst.

„Hey, was kann ich dir bringen?“ Ein junger Mann, etwa in meinem Alter steht vor meinem Tisch und hält ein Tablett mit leeren Gläsern in der Hand. Eine braune Haarsträhne hängt ihm über das Auge und er versucht, sie irgendwie wegzuwischen, was mit einem vollen Tablett in der Hand allerdings gar nicht so leicht ist. Ich verkneife mir ein Grinsen und bestelle meinen schwarzen Kaffee mit einem Schuss Karamell.

„Schwarzer Kaffee mit einem Schuss Karamell“, wiederholt er und scheint sich nicht ganz entscheiden zu können, ob er es lustig oder ekelig findet. Dann verschwindet er in Richtung Bar und ich wende mich wieder an meinen PC.

Ich kann es ihm nicht übelnehmen. Als ich diese Kreation, falls man es als solche bezeichnen möchte, zum ersten Mal probiert habe, war ich gleichermaßen begeistert, wie angewidert. Doch nach ein paar Schlucken war ich praktisch schon süchtig danach.

Jetzt sitze ich also vor meinem blütenweißen Bildschirm und habe keine Ahnung, wie ich anfangen soll, ihn mit Text zu füllen. Es ist nicht so, als würde es mir an Ideen fehlen, denn die habe ich wirklich zu Genüge- das Problem ist vielmehr die Blockade in meinem Kopf, die es mir unmöglich macht, einen Anfang zu finden. Ich kann nur an das große Ganze denken, was ich erzählen möchte, doch mir fällt nichts ein, wie ich alles in eine sinnhafte Reihenfolge bringen könnte.

Ich durchwühle meine Handtasche auf der Suche nach meinem Notizbuch. Vielleicht finde ich darin ja eine Idee, wie ich mein Projekt angehen könnte. Dabei leere ich praktisch den gesamten Inhalt auf dem Tisch aus und finde es schließlich unter meinem kaputten Regenschirm. Bevor der Herbst richtig ausbricht, sollte ich mir unbedingt noch einen neuen zulegen.

„Achtung, heiß und klebrig.“ Der Typ kommt auf meinen Tisch zugelaufen und hält mühelos ein Tablett mit meiner Tasse auf dem Arm. Das ist einer der Gründe, wieso ich wahrscheinlich niemals Bedienung in einem Restaurant oder Café werden könnte. Wenn ich schon nicht alles, was mir in die Finger käme, zu Boden fallen lassen würde, dann würde ich zumindest einen solch angestrengten Blick aufsetzen, dass sich alle Gäste fragen würden, was nicht mit mir stimmt.

Ich schiebe schnell ein paar der Dinge, die auf dem Tisch liegen, zurück in meine Tasche, um Platz für die Kaffeetasse zu machen.

„Upper East Side“, bemerkt er, als er meine Tasse abstellt und dabei einen Blick auf meine Schlüsselkarte wirft, auf der die Adresse des Apartmentkomplexes steht, in der die Hatchers wohnen. Ich kann nicht so ganz einschätzen, was der unterschwellige Ton in seiner Stimme bedeuten soll, als er diese Worte ausspricht.

Daher stecke ich die Karte schnell in meine Handtasche und sage einfach gar nichts.

„Keine Sorge, ich werde dich schon nicht ausrauben, jetzt, wo ich weiß, wo du wohnst.“ Er lacht und klemmt sich das Tablett unter den Arm.

Ich grinse, als mir bewusst wird, dass ich gerade ziemlich paranoid gewirkt haben muss.

„Keine Sorge, dass habe ich auch nicht gedacht. Außerdem ist bei mir nun wirklich nichts zu holen. Ich dachte, das sieht man, sobald man mich nur anguckt.“

Er mustert mich eine Weile und zuckt dann mit den Schultern.

„Ich muss schon zugeben, dass ich nicht unbedingt auf den ersten Blick gedacht hätte, dass du zu denen gehörst, aber was weiß man schon über die Leute, die man Tag ein Tag aus so auf der Straße sieht?“

„Zu denen?“, frage ich und runzele die Stirn. Irgendwie belustigt es mich, dass der Typ zu denken scheint, ich stamme aus einer reichen New Yorker Familie. Und, ich will ehrlich sein, ein bisschen macht es mich auch… stolz, irgendwie.

„Zu den ganzen aufgeblasenen Bonzen, meine ich.“ Er sagt das so frei heraus, als sei das die offizielle Bezeichnung für reiche Menschen aus der Oberschicht.

„Erstens Mal, gehöre ich auch nicht zu diesen aufgeblasenen Bonzen“, stelle ich grinsend klar, „und zweitens glaube ich nicht, dass wirklich alle von denen irgendwie schräg drauf sind.“

Er lacht nur und zieht sich, ohne zu fragen, einen Stuhl heran. Dann setzt er sich mir gegenüber und sieht mich belustigt an.

„Ich will dir ja nicht zu nahe treten, aber wie lange bist du schon in der Stadt?“ Für einen Moment frage ich mich (zugegebenermaßen nicht ganz ohne ein bisschen Enttäuschung) wieso er so selbstverständlich davon ausgeht, ich komme nicht von hier. Ich könnte schließlich auch in einer etwas günstigeren Gegend wohnen, mit Eltern aus der Mittelschicht oder mit ein paar verrückten Mitbewohnern. Wahrscheinlich liegt es an meinem Akzent. Ich liebe Texas, aber den Klang der Sprache habe ich in letzter Zeit öfters verflucht, als es normal sein kann.

„Seit zwei Monaten“, antworte ich dann schließlich ehrlich.

Er nickt nur, als sei das die Erklärung für alle Unstimmigkeiten auf der Welt.

„Dann wundert es mich nicht, dass du noch nicht erkannt hast, wie die Menschen hier wirklich drauf sind. Klar, es gibt einige nette Leute und auch ein paar echt normale, aber diejenigen, die von Kind auf in einer reichen Familie groß geworden sind, kann hier niemand leiden. Das wirst du auch noch lernen, glaub mir. Die einzigen, die die reichen Leute mögen, sind die Reichen selbst.“

Ich lasse das so stehen und nippe an meinem dampfenden Kaffee.

„Ich bin Sam, sorry.“ Sagt er plötzlich, als sei ihm eingefallen, dass es irgendwie unhöflich ist, eine Diskussion mit einer fremden Person anzufangen, ohne sich überhaupt vorgestellt zu haben.

„Hanna.“

„Hi, Hanna.“ Er hält mir grinsend seine Hand hin und ich schüttle sie lachend. Eines muss ich ihm lassen, er scheint charmant zu sein, wenn er es will.

„Wieso bist du nach New York gekommen?“, fragt er und sieht mich interessiert an.

„Ich habe eine Stelle als Au Pair angenommen.“

Er sieht mich mitleidig an, als habe ich ihm gerade offenbart, dass ich wegen meiner sterbenskranken Oma hergezogen bin.

„Das setze ich jetzt mal ganz raffiniert mit der Adresse auf der Karte zusammen und komme zu der gewagten Schlussfolgerung, dass du in die wahrscheinlich netteste Familie gekommen bist, die man sich nur vorstellen kann.“

Ich knirsche mit den Zähnen. Ich würde ihm ja gerne widersprechen, aber in gewisser Weise hat er voll ins Schwarze getroffen.

„Na ja, sie ist vielleicht nicht ganz perfekt, aber…“ Händeringend suche ich nach einer Beschreibung, die gleichermaßen ehrlich und nett ist. Mir fällt so schnell nichts ein.

„Ich verstehe schon. Wenn ich ehrlich bin, habe ich aber auch gar nichts anderes erwartet. Die reichen Familien könnten sich wahrscheinlich gleich fünf Nannys pro Tag leisten, aber stattdessen sparen sie lieber ihr Geld für das nächste Auto oder die Renovierung ihres Hauses in den Hamptons. Denn das Wohl ihrer Luxusanschaffungen ist natürlich tausendmal wichtiger als das Wohl ihrer eigenen Kinder- was jetzt nicht heißen soll, dass Au Pairs keine Ahnung von Kindern haben.“

„Ich verstehe schon, was du meinst.“ Leider erkenne ich meine eigene Situation nur zu gut wieder.

„Meine Familie ist auch nicht gerade… Ein Herz und eine Seele. Beide Elternteile gehen arbeiten, was ich ja grundsätzlich auch überhaupt nicht schlimm finde. Aber wenn sie dann endlich abends von der Arbeit nach Hause kommen, dann sind sie meistens beide so gestresst, dass sie ihren Kindern eigentlich nur noch aus dem Weg gehen und sich in Ruhe von ihrem Arbeitstag erholen wollen. Aber, wenn ich ehrlich bin, würde es mir in ihrer Situation wahrscheinlich ähnlich gehen. Wer hat schon die Nerven, einen vierzehn Stunden Tag ungeschadet zu überstehen? Und das fünf Mal die Woche?“

Sam schüttelt den Kopf.

„Du kannst diese Leute doch wohl unmöglich in Schutz nehmen.“ Er klingt so, als habe ich gerade einen Massenmörder verteidigt. „Diese Leute haben nichts anderes im Kopf als ihr Geld und ihre Anlagen. Sobald irgendetwas mit ihren Finanzen oder auf der Arbeit nicht in Ordnung ist, sind sie sofort bereit, die ganze Welt in Gang zu setzen, aber wenn man mal von Mensch zu Mensch etwas von ihnen will, dann ist das plötzlich zu viel verlangt. Sie haben ja schließlich schon genug andere Dinge zu tun.“

Ich antworte nicht darauf, weil ich Sams Meinung diesbezüglich ehrlich gesagt ein bisschen radikal finde. Mag schon sein, dass es da draußen einen ganzen Haufen Leute gibt, die so drauf sind, aber doch wohl nicht alle.

„Tut mir leid, da sind wir ausgerechnet auf das Thema gekommen, bei dem ich ganz gerne mal die Fassung verliere. Sicherlich nicht das beste erste Gesprächsthema.“ Er grinst mich an und nickt dann in Richtung Theke.

„Ich muss langsam mal wieder an die Arbeit. Wenn du noch was brauchst, sag Bescheid. Und wenn du über deine Arbeitgeber ablästern willst, dann auch.“ Mit einem Zwinkern erhebt er sich und verschwindet in Richtung Tresen.

Irgendwie finde ich ihn seltsam. Nicht auf so eine abschreckende Art und Weise, aber da ist etwas an ihm, das mich verwirrt. Oder neugierig macht. Wahrscheinlich beides gleichzeitig.

Ich versuche, mir alle Gedanken an die Dinge, die nichts mit meiner Geschichte zu tun haben, aus dem Kopf zu schlagen und starre wieder auf meinen Bildschirm.

Doch irgendwie fühle ich mich jetzt noch unentschlossener als vor ein paar Minuten. Vielleicht ist das, von dem ich gedacht habe, es schreiben zu wollen, ja gar nicht das, was ich wirklich mitteilen möchte. Vielleicht möchte ich allen anderen, die meine Geschichte später einmal lesen werden, ja gar nichts vormachen. Es könnte schließlich gut sein, dass Sam recht hat. Dass die meisten Menschen hier egoistisch und kalt sind. Nur für ihren Job leben und sich nicht im Geringsten um ihre Mitmenschen kümmern. Will ich in diesem Fall wirklich eine Geschichte über die magische Stimmung New Yorks schreiben?

Energisch schüttle ich den Kopf und bereue es im nächsten Moment gleich wieder, weil eine junge Frau vom Nachbartisch, wahrscheinlich eine Studentin, hinüberschaut und sich ganz offensichtlich die Frage stellt, ob ich durchgeknallt sei. Wie ich feststellen muss, hat Sam mich mit seiner Meinung schon total beeinflusst. Nur, weil er behauptet, dass viele reiche Idioten in dieser Stadt leben würden, muss das doch noch lange nicht stimmen. Außerdem, selbst wenn, dann gäbe es immer noch genug normale Menschen hier. Inspirierende, verrückte und freundliche Menschen, von denen ich noch so einiges lernen kann.

...


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Endlich. LG der einzige Leser.
Nikolax - vor 1 Monat
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Nikolax - vor 1 Monat
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Nikolax - vor 1 Monat

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