Heinrich VIII. - eine Frauengeschichte führt zum Bruch mit Rom
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ᐅ Heinrich VIII. - eine Frauengeschichte führt zum Bruch mit Rom

Heinrich VIII. - eine Frauengeschichte führt zum Bruch mit Rom

Typischer Renaissance-Herrscher
Heinrich VIII., der als König von 1509 bis 1547 England regierte, war einer jener typischen Herrscher der Renaissance, der trotz oder gerade wegen seiner Bildung, die weit über die seiner Vorgänger hinausging, durch protziges und selbstherrliches Gebaren auffiel, und der in vielerlei Hinsicht einzigartig war. Seine Art, wie er mit seinen Ehefrauen umging, von denen Anne Boleyn und Catherine Howard die gemeinsame Zeit mit ihm nicht überlebten, war gewiß furchtbar und trug mit dazu bei, das Königshaus in England zu delegitimieren, was im 17. Jahrhundert zur Englischen Revolution, zur Exekution des Königs und zur republikanischen Schreckensherrschaft durch Oliver Cromwell beitrug, mehr als 100 Jahre, bevor in Frankreich die Guillotine regierte. Noch konkreter war aber die religiöse Komponente für England erfahrbar, die nach der absoluten Autorität der katholischen Kirche, wie sie im Mittelalter geherrscht hatte, eine frühmoderne Zäsur bedeutet. Dabei war der Anlaß dazu ganz banal - eine einfache Frauengeschichte.

Der Fluch der Ehe
Es schien über seine Ehe mit Katharina von Aragon ein Fluch zu lasten. Zweimal gebar sie eine Totgeburt, dazwischen zwar einmal ein Mädchen und einmal sogar einen Jungen, d. h. einen von Heinrich ersehnten Thronfolger. Doch waren diese von Natur aus schwächlich und überstanden nicht ihre ersten Lebenstage. 1516 gebar sie dann Maria, ein Mädchen, das später als „Bloody Mary“ in die Geschichte eingehen sollte, 1518 dann wiederum erneut ein Mädchen - es war wieder eine Totgeburt. Vielleicht hatte Heinrich hier schon die Hoffnung aufgegeben, von seiner ehelichen Frau jemals einen Thronfolger empfangen zu dürfen, hinzu kam, daß er sich in eine neue Frau verliebte, in Anne Boleyn, der Wunsch in ihm wuchs, sie zu ehelichen. Das Problem war bekannt und schien unüberwindlich, der Ehebruch war ein Verstoß gegen die göttlichen Gebote, aber vielleicht würde Heinrich seine Autorität als englischer König weiterhelfen.

Passende Bibelstelle
Die passende Bibelstelle war gefunden, in der es hieß: „Wenn jemand die Frau seines Bruders nimmt, so ist das eine abscheuliche Tat. Sie sollen ohne Kinder sein, denn er hat damit seinen Bruder geschändet.“ Denn in der Tat war Katharina von Aragon, damals spanische Prinzessin, die Frau seines fünf Jahre jüngeren Bruders Arthurs gewesen, der mit 15 Jahren verstorben war, und die Heinrich auch aus dem Grund geheiratet hatte, um das damalige Bündnis mit Spanien zu stärken. Aus diesem Grund hatte sich Heinrich einen päbstlichen Dispens herbeigeholt, um an sein Ziel zu gelangen, und insofern stimmte es nicht wunder, daß der Papst, Clemens VII., von dem Antrag Heinrichs wenig begeistert war und mit seinem zum geflügelten Wort gewordenen: „non possumus“ Heinrich den Wunsch verweigerte und diesem im Falle einer Nichtbefolgung offen mit Exkommunikation drohte.

Der König bricht mit der Kirche
Genau dies tat aber daraufhin Heinrich VIII., der die Ehe mit Anne Boleyn vollzog, was zur Exkommunikation und päbstlichen Kirchenbann führte, nebenbei auch zum Rücktritt seines Lordkanzlers Thomas Morus, der mit seiner Schrift Utopia einen aus seiner Sicht idealen Staat vorstellte und damit, auch wenn die Wurzeln dieses Strebens bis zu Platon reichen, die Suche nach Utopia auch in der Belletristik beflügelte. Heinrich VIII. reagierte auf Exkommunikation und Kirchenbann mit dem Sukzessionsakt, er löste mit der Verkündung der im englischen Parlament bestätigten Suprematsakte die Verbindungen Englands mit der römisch-katholischen Kirche und machte sich selbst zum Oberhaupt einer nun anglikanisch genannten Staatskirche.

Berühmte Töchter
Sicherlich trug zu diesem Schritt der Autoritätsverlust der katholischen Kirche im Zeitalter der Reformation und der europäischen Religionskriege bei, aber eben auch das Wesen Heinrichs, der sich auch von einem Papst nicht in seine Interessen hineinreden lassen wollte. Kritiker wie Thomas Morus und Bischof John Fisher, die Heinrich nicht als neues religiöses Oberhaupt anerkennen wollten und sich weigerten, statt dem Papst nun ihm selbst den Eid zu schwören, wurden hingerichtet. Sein Wunsch nach einem männlichen Thronfolger konnten aber weder Anne Boleyn noch seine anderen Ehefrauen erfüllen, von denen er im Laufe seiner Herrschaft sechs an der Zahl hatte. Trotzdem sollten zwei seiner Töchter, Maria und Elisabeth, später den englischen Thron im Sinne einer Pragmatischen Sanktion erben.

Englische Reformation?
Maria I. versuchte erfolglos, den römisch-katholischen Glauben wieder in England zu etablieren, was allerdings trotz der Hinrichtung zahlreicher nun als Ketzer verfolgten Protestanten nicht gelang. Erst Elisabeth I. sollte den Protestantismus nach schweren Kämpfen, die mit der Hinrichtung ihrer katholischen Vorgängerin endeten, endgültig in England etablieren. Sie leitete mit ihrer Politik das Goldene Elisabethanische Zeitalter ein. Wie in Tschechien unter Jan Hus, in Deutschland unter Martin Luther und in der Schweiz unter Johann Zwingli wurde der Protestantismus in England fortan als Teil der englischen Identität wahrgenommen, und er verstärkte die vielbeschworene Inselmentalität der Engländer, die später die splendid isolation zum Ideal erkoren und was Rückwirkungen wie den jüngst vollzogenen Brexit immer noch erklären lassen.


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