Interpretation Romanauszug "Im Westen nichts Neues" (Kapitel 11)
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ᐅ Interpretation Romanauszug "Im Westen nichts Neues" (Kapitel 11)

Interpretation Romanauszug "Im Westen nichts Neues" (Kapitel 11)

Der vorliegende Romanauszug ist im Buch „Im Westen nichts Neues“ zu Anfang des Kapitel 11 auf den Seiten 239 bis 241 zu finden. Der Antikriegsroman wurde 1929 von Erich Maria Remarque (1898 bis 1970) geschrieben und beschäftigt sich mit dem Schrecken des Ersten Weltkrieges aus der Sicht des jungen Soldaten Paul Bäumer.

Der Romanauszug ist in den Frühling nach Pauls Lazarettaufenthalt mit Albert Kropp einzuordnen, spielt sich jedoch vor Deterings Flucht und Müllers Tod ab. Paul Bäumer lässt seine Gedanken über das Kriegsgeschehen schweifen und denkt darüber nach, was der Krieg mit ihm macht, was er für Auswirkungen auf den Einzelnen und die Gruppe hat und was dieser schon aus ihm und seinen Kameraden gemacht hat. Es wird erzählt, dass das Leben der Soldaten zwischen Front und Barackenlager wechselt und obwohl es nicht konkret gesagt wird, ist zu vermuten, dass Paul in letzterem über das Kriegsgeschehen nachdenkt, da, wie er selbst sagt, sie an der Front zu Tieren werden. Das Personenspektrum ist daher auch nur sehr begrenzt und beschränkt sich größtenteils auf Paul Bäumer als einzige handelnde Person. Weiterhin werden in Pauls Gedanken Tjaden und Kat erwähnt, welche jedoch im Gesamtbild des Auszuges eine eher unwichtige Rolle spielen. Vielwichtiger ist, dass Paul auch über seine Kompanie und seine ehemalige Schulklasse spricht. Hierbei muss man, obwohl beide ähnlich sind, sie doch klar voneinander trennen, da er mit Kompanie die Soldaten an sich meint und er es daher allgemein verwendet. Wenn er jedoch von seinen Freunden bzw. seiner Schulklasse spricht, meint er nur die Soldaten, die ihm nahe stehen bzw. seine Klassenkameraden, was deutlich persönlicher ist.

Im ersten Abschnitt (S. 239, Z. 1 – S. 239, Z.9) des Auszuges beschreibt Paul die derzeitig herrschende Grundsituation. Diese besteht am Anfang aus einer Rückblende, welche beschreibt, dass er im Winter zurück an die Front kam und durch den Vergleich, dass bei Granateinschlägen „die gefrorenen Eisklumpen fast ebenso gefährlich wie die Splitter“ (S. 239) wurden, wird dem Leser gleich zu Anfang klar, dass die Soldaten nicht nur gegen den Feind kämpften, sondern auch gegen die Natur, in diesem Fall die Jahreszeiten. Darauf folgend, wird dem Leser durch  Pauls Aussage „Jetzt sind die Bäume wieder grün.“ (S. 239) verdeutlicht, dass nun der Frühling angebrochen ist. Außerdem ist die Farbe Grün ein Symbol für Hoffnung, was die Tatsache bestärkt, dass die für die Soldaten schwere Zeit des Winters endlich vorbei ist. Im darauffolgenden Satz wird gesagt, dass das Leben der Soldaten „zwischen Front und Baracken“ (S. 239) wechselt, hierbei wird sehr bewusst das Wort „Leben“ verwendet, da so gezeigt wird, dass die Soldaten im Grunde genommen zwei gänzlich verschiedene Leben leben. Im Rest des ersten Abschnitts wird der Krieg mit Todesursachen „wie Krebs und Tuberkulose, wie Grippe und Ruhr“ (S. 239) verglichen und durch deren Aufzählung kommt es zu einer Verstärkten Abneigung des Lesers gegenüber des Krieges. Anschließend wird diese Abneigung durch die Hyperbel „Die Todesfälle sind nur viel häufiger, verschiedenartiger und grausamer.“ noch verstärkt, da der vorher schon als schrecklich beschriebene Krieg damit als noch viel schrecklicher dargestellt wird.

Der zweite Abschnitt (S. 239, Z. 10 – S. 240, Z. 12) befasst sich mit Pauls Gedanken um seine Kameraden und die Soldaten als Gesamtes. Zu Anfang vergleicht er den Krieg metaphorisch mit Lehm, welcher durch den Wechsel der Tage geknetet wird, was bedeutet, dass jeder Tag die Soldaten mehr und mehr zermürbt. Anschließend wird durch die Personifikation „sie sind gut, wenn wir Ruhe haben, und tot, wenn wir im Feuer liegen“ (S.239) in Bezug auf die Gedanken der derzeit schon fatale geistige Zustand der Soldaten deutlich. Darauf folgen in elliptischer Form die Worte „Trichterfelder draußen und drinnen.“ (S.239), welche bedeuten sollen, dass genauso, wie der Krieg mit den Trichtern und Graben die Natur außen zerstört, so zerstört er auch die Soldaten von innen. Paul verstärkt bzw. rechtfertigt seine Gedanken dadurch, dass er sagt: „Alle sind so, nicht wir hier allein“ (S. 239) und er gibt durch die Worte „was früher war, gilt nicht und man weiß es auch wirklich nicht mehr“ zu verstehen, dass sie nicht mehr wissen, wie es früher einmal war und dass sie jetzt gänzlich anders sind und sie nicht mehr des werden könnten, was sie früher einmal waren. Daraufhin führt er noch viele Vergleiche und Metaphern wie „ Die Unterschiede, die Bildung und Erziehung schufen, sind fast verwischt und kaum noch zu erkennen.“ (S. 239) oder „Es ist, als ob wir früher einmal Geldstücke verschiedener Länder gewesen wären; man hat sie eingeschmolzen, und alle haben jetzt denselben Prägestempel. Will man Unterschiede erkennen, dann muß man schon genau das Material prüfen.“ (S.239 f.) an, welche die Tatsache bestärken, dass der Krieg die Jugend verändert hat und nahezu zu „ein und derselben  Person“ gemacht hat. Es seien nur noch minimale Unterschiede vorhanden und um diese zu erkennen müsse man sehr genau hinschauen. Auf den Leser wirkt all das sehr bedrückend und fremd, da man sich nur sehr schwer vorstellen kann, wie der Krieg die Menschen verändert, wenn man es selbst nicht erlebt hat und trotzdem wird dies durch Pauls Gedanken an dieser Stelle in irgendeiner Weise greifbar gemacht. Im darauffolgenden Satz wird durch „Wir sind Soldaten“ (S. 240) klar, dass sich diese ganze vorher beschriebene Veränderung unter dem Wort „Soldat“ zusammenfassen lässt, sie sind alle zu Soldaten geworden, sie sind alle gleich und haben alle dasselbe Schicksal. Außerdem wird dem Leser klargemacht, dass sie dadurch nur noch „auf eine sonderbare und verschämte Weise […]Einzelmenschen“ (S. 240) sind. Daraufhin folgt eine Aufzählung, welche beschreibt, dass diese „große Bruderschaft“ (S. 240) sowohl das „Kameradentum von Volkslieder“ (S. 240), das „Solidaritätsgefühl von Sträflingen“ (S. 240) als auch das „Einanderbeistehen von zum Tode Verurteilten“ (S. 240) auf eine seltsame Art und Weise vereint. Dies sorgt dafür, dass der Leser als Außenstehender versteht, was es heißt als Soldat in Kameradschaft einander beizustehen. Der letzte Satz dieses Abschnitts, welcher lautet „Es ist heroisch und banal, wenn man es werten wollte – doch wer will das?“ (S. 240), sagt zwar wörtlich, dass zu werten, was es heißt Soldat zu sein, für Außenstehende nahezu unmöglich ist aber es scheint auch ein Appell zu sein, dass man es als Außenstehender erst gar nicht versuchen solle. Er beinhaltet also eine gewisse Ironie.

Im dritten Abschnitt (S. 240, Z. 13 – S. 241, Z. 22) wird noch einmal, das zu Ende des zweiten Abschnitts angesprochene, Gefühl der Bruderschaft unter den Soldaten aufgegriffen, in dem Paul sagt, dass es darin enthalten ist, „wenn Tjaden bei einem gemeldeten feindlichen Angriff in rasender Hast seine Erbsensuppe mit Speck auslöffelt, weil er ja nicht weiß, ob er in einer Stunde noch lebt“ (S. 240), denn sie haben darüber diskutiert ob das richtig sei, da jeder Soldat versucht seine Kameraden oder sogar Freunde so gut es geht zu schützen. Darauffolgend bewertet Paul ihr Leben indem er sagt, dass es sich an der „Grenze des Todes“ (S. 240) abspielt und dadurch „eine ungeheuer einfache Linie“ (S. 240) ist und sich nur auf das Notwendigste beschränkt, da alles andere „in dumpfem Schlaf“ (S. 240) liegt. Für den Leser ist das schwer nachzuvollziehend, weil dieser ein Leben, wie es die Soldaten führen nicht kennt und im folgenden Satz spricht Paul genau das aus, was der Leser sich gerade denkt. Das Leben der Soldaten sei primitiv, jedoch rechtfertig er diese Aussage auch gleich wieder indem er sagt, dass die Art und Weise, wie die Soldaten an der Front leben, ihre einzige Rettung ist und dass, wenn sie nicht so leben würden, schon „längst irrsinnig, desertiert oder gefallen“ (S. 240) wären. Dem Leser wird klar, dass es nahezu unmöglich ist nachzuvollziehen, wie die Soldaten an der Front leben, da diese Erzählungen zwar sehr nah an die Realität heranreichen aber trotzdem noch weitgenug entfernt sind, um alles hundertprozentig zu verstehen. Wenige Sätze später bringt Paul diese „primitive“ Art zu leben und die damit verbundenen Veränderungen mit sich selbst in Verbindung. Die Hyperbel „oft sitze ich vor mir selber wie vor einem Fremden“ (S. 241) zeigt sehr deutlich, dass der Krieg in schon so sehr verändert hat, dass er sich selbst nicht mehr erkennt und in Verbindung damit wird der „matte[…] Spiegel“ als Symbol für verblassende Erinnerungen seines früheren Lebens gebraucht. Daraufhin wird durch die Antithese „das unnennbare Aktive, das sich Leben nennt“ (S. 241, Hervorhebung durch mich) dem Leser zu verstehen gegeben, wie schwer es ist, die sich für die Soldaten vollziehende Veränderung und „das Leben […] auf einer ständigen Lauer gegen die Bedrohung des Todes“ (S. 241) zu begreifen. Anschließend folgt die markanteste Stelle des Textauszuges, in welcher Paul sagt „es [alles, was Paul vorher über den Krieg und seine Auswirkungen gesagt hat] hat uns zu denkenden Tieren gemacht, um uns die Waffe des Instinktes zu geben“ (S. 241). Diese kurze aber doch so prägnante Textstelle spiegelt alle Folgen und Veränderungen des Krieges in einem Satz wieder und bildet einen Höhepunkt Pauls Gedankenganges. Nun folgt eine Aufzählung von Dingen, die dieser Höhepunkt beinhaltet und der Leser soll endlich verstehen, was es heißt ein solches Leben zu führen. In den Letzten drei Sätzen des Romanauszuges wird noch einmal, als eine Art Zusammenfassung, das Leben als Soldat mit einem „harte[n] Dasein äußerster Oberfläche“ (S. 241) verglichen und anschließend die Auswirkungen von Erfolg in einem solch trostlosen Leben beschrieben. Der Erfolg, sei er noch so klein, wird mit einem Funken Verglichen, welcher bei den Soldaten „eine Flamme schwerer und furchtbarer Sehnsucht“ (S. 241) entfacht und mit den Worten „[d]as sind die gefährlichen Augenblicke“ (S. 241) des letzten Satzes, wird dem Leser schlussendlich klar, dass im Krieg sogar positive Ereignisse oder Gefühle zur tödlichen Gefahr werden.

Abschließend ist noch eine Besonderheit des Auszuges zu beleuchten. Dies ist die Tatsache, dass der Text bis auf den Anfang von Abschnitt drei immer in der Wir-Form geschrieben ist, was dem Leser zeigt, dass Paul nicht als einzelner so über den Krieg denkt, sondern wahrscheinlich jeder einzelne Soldat ihm zustimmt. Außerdem sei noch anzumerken, dass durch den ständigen Bezug, des Gedachten Pauls auf den Schrecken des Krieges aber auch auf die Schwierigkeit so etwas für einen Außenstehenden greifbar zu machen, dem Leser deutlich wird, dass es unmöglich ist vollständig zu verstehen, was ein Soldat fühlt, denkt, wie er handelt und warum er es tut. Denn Krieg in all seine Fassetten war schrecklich, ist schrecklich und wird auch immer schrecklich bleiben.


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